Der Morgen im Salón de los Honorables Cancilleres begann still, fast andächtig. Durch die hohen Fenster fiel ein weiches Licht, das die goldenen Vorhänge zum Schimmern brachte und die Porträts der ehemaligen Canciller in ein warmes Leuchten tauchte. Die Bediensteten bewegten sich mit geübter Präzision – jeder Schritt war Teil eines eingespielten Rituals.
Für das bevorstehende Treffen zwischen Kanzler Adrián Guitiño de Nevarez und Aulus Flavius Dentatus, dem besonderen Gesandten des Imperium Ladinorum, sollte der Saal in seiner vollsten Würde erscheinen. Zwei Stewards richteten die Sessel so aus, dass beide Delegationen einander auf Augenhöhe gegenübersitzen konnten. Der große runde Tisch in der Mitte wurde poliert, bis das Holz den Lichtschein des Kronleuchters klar reflektierte.
In einer Ecke überprüfte eine Protokollbeamtin die Reihenfolge der Gesprächsunterlagen. Nichts sollte dem Zufall überlassen bleiben – nicht bei einem Treffen, bei dem jede Geste diplomatische Bedeutung haben konnte. Ein Florist stellte ein dezentes Arrangement aus weißen Lilien und dunkelgrünen Zweigen bereit, ein Symbol für Reinheit und Beständigkeit, das traditionell bei hochrangigen Begegnungen verwendet wurde.
Unterdessen trat der Saalmeister einige Schritte zurück, um das Gesamtbild zu betrachten. Die Porträts der früheren Canciller schienen stumm über die Vorbereitungen zu wachen, jeder von ihnen ein Zeuge vergangener Epochen und diplomatischer Wendepunkte.
Als schließlich die letzten Kontrollen abgeschlossen waren und die Türen geschlossen wurden, lag eine gespannte Ruhe über dem Raum. Der Salón de los Honorables Cancilleres war bereit – würdevoll, zurückhaltend und doch voller Erwartung auf die Ankunft der beiden Männer, deren Gespräch die nächsten Kapitel der Beziehungen zwischen ihren Nationen formen sollte.